
| Es ist nicht einfach, mit 26 Jahren zum Erwerbsunfähigkeitsrentner zu werden. Schwer ist jedoch meine Erkrankung. Manisch-depressiv bedeutet zum einem, auf Wolke 7 zu schweben und zu er-leben, um dann ganz tief in den Keller abzustürzen. Mein Leben gleicht einer Achterbahnfahrt. Im Moment bin ich stabil.
Schon immer habe ich nicht weggesehen und nicht weggehört. "Da kann man eh nix machen" galt und gilt für mich nicht. Besonders im Umweltschutz habe ich mich sehr engagiert. Da stellte ich fest: Erst informieren, 2. mitreden und dann handeln. Da ich nicht auf den Mund gefallen bin, habe ich auch immer meine Stimme erhoben. Ich ging keiner Konfrontation aus dem Wege.
Heute bin ich ruhiger und besonnener. Aber immer noch versuche ich mich in die Gesellschaft einzubringen. Dies tue ich nun hauptsächlich auf den Gebieten Kultur und Sport. Wer sich nicht ausdrücken kann oder will, hat es meistens schwerer. "Wer immer nur schluckt, der kotzt irgendwann!" Ich brauche auch Rückmeldungen aus meinem
Umfeld, benötige Lob und Anerkennung. Vielleicht habe
ich das manchmal übertrieben. Meine Erkrankung hat mir
viel genommen. Aber auch Einiges gegeben. "Live to
give" heißt es weiterhin für mich.
"Es ist keine Sünde, hinzufallen. Nur dann, wenn man nicht mehr aufsteht!" Durch meine vielen Klinikaufenthalte wurde ich wieder und wieder aus meinem (Lebens)Rhythmus gestoßen. Aber ich habe immer weiter gemacht. Habe stets versucht, das Beste zu erreichen. Nicht aufzugeben. Ich möchte immer aktiv und voller Ideen und Projekte bleiben. Neugierig sein. Fragen stellen. Klar, ich habe Zeit. Ich könnte mich aber auch auf die faule Haut legen. Durch den Kontakt zu meinen Mitmenschen bemerke ich mehr und mehr, wie kleine Gesten (Tür Aufhalten, Grüßen, Vortritt lassen) große Wirkung zeigen können. Jeden neuen Tag versuche ich als Chance zu sehen. "Für den Optimisten ist das Problem bereits die Lösung". Und ein wenig lebe ich immer noch auch nach dem Motto:
"Wer spinnt, gewinnt!"
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